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Ein Bild. Eine Geschichte

Autorenbild: Stela Grützmann
Stela Grützmann
20. Sept.
2 Min. Lesezeit

Im Meer – zwischen Algen, Wellen und einem kleinen Lächeln

Manche Tiere faszinieren uns auf eine ganz besondere Weise. Für mich ist es der Meeresotter.

Er ist mein Lieblingstier und in diesem Jahr auch der Mittelpunkt meines Bildes „Im Meer“.

Ich wollte ihn nicht einfach nur im Wasser darstellen. Vielmehr sollte es so wirken, als würde er für einen kurzen Moment aus seinem geheimnisvollen Reich auftauchen und neugierig zwischen den Algen hervorschauen. Fast scheint es, als hätte er uns gerade entdeckt.


Die Algen umgeben sein Gesicht wie ein wilder Haarschopf. Einige legen sich über seinen Kopf und wirken beinahe wie ein etwas zu groß geratener Hut. Zwischen all den geschwungenen Formen, Ranken und Blättern schaut uns der kleine Meeresbewohner mit großen Augen entgegen, als sei er ein wenig überrascht und etwas neugierig, mit einem Ausdruck, der mich selbst immer wieder zum Schmunzeln bringt.

Doch hinter seinem niedlichen Äußeren verbirgt sich ein erstaunlich geschicktes Tier.

Meeresotter gehören zu den wenigen Säugetieren, die Werkzeuge benutzen. Um Muscheln und andere hartschalige Meerestiere zu öffnen, können sie einen Stein als Werkzeug verwenden und ihre Beute darauf aufschlagen. Besonders erstaunlich finde ich, dass sie Nahrung oder andere Gegenstände sogar in lockeren Hautfalten unter ihren Vorderbeinen transportieren können.


Auch ihr Leben zwischen den Algen hat etwas Besonderes. Meeresotter nutzen Kelp, um sich an der Wasseroberfläche zu verankern und nicht mit der Strömung davonzutreiben. Dort ruhen sie, pflegen ihr außergewöhnlich dichtes Fell und verbringen einen großen Teil ihres Lebens.

Besonders berührt mich die Beziehung zwischen Mutter und Jungtier. Ein kleines Otterjunges verbringt viel Zeit auf dem Bauch seiner Mutter, während sie auf dem Rücken im Wasser treibt. Dort wird es getragen, umsorgt und gepflegt. Für mich steckt darin etwas wunderbar Liebevolles, denn mitten in einem riesigen Ozean entsteht ein kleiner Ort der Geborgenheit.

Vielleicht fasziniert mich der Meeresotter gerade deshalb so sehr. Er verbindet Verspieltheit mit erstaunlicher Geschicklichkeit, wirkt neugierig und gleichzeitig vollkommen zuhause in seiner außergewöhnlichen Wasserwelt.


In „Im Meer“ wollte ich genau dieses Gefühl einfangen.

Der Otter taucht nicht einfach zwischen den Algen auf. Für einen Augenblick scheint es, als würden wir selbst unter die Wasseroberfläche gleiten und ihm in seinem Reich begegnen. Die Pflanzen verschlingen sich, Wege verschwinden und neue entstehen. Wo beginnt der Otter, wo endet die Pflanzenwelt? Beides scheint miteinander verwachsen.

Und vielleicht trägt er seinen Algenhut sogar mit ein kleines bisschen Stolz.

Denn nicht jedes Bild muss ein großes Geheimnis lösen.


Manche dürfen uns einfach daran erinnern, wie wunderbar, überraschend und vielleich auch ein wenig humorvoll die Natur sein kann.


Ihre Estla


2026 Im Meer (45,5 x 50,5 cm)

 
 
 

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